Die Eigenkapitalrentabilität als Maß des Unternehmenserfolgs

Die Eigenkapitalrentabilität als Maß des Unternehmenserfolgs

Wenn Sie den scheinbar sperrigen Begriff der Eigenkapitalrentabilität einschätzen und bewerten können wollen: Lesen Sie unbedingt nachfolgendes Beispiel. Es ist ein sehr guter Einstieg. Mit diesen Zahlen im Hinterkopf lässt sich auch die im nächsten Absatz folgende Formel bzw. Definition gut verarbeiten oder behalten.

Stellen Sie sich vor: Sie wären in der Situation eines Unternehmers mit Milliardenvermögen (wie es die Aktionäre der Deutschen Bank in der Summe sind) und würden Investmentalternativen suchen. Da gäbe es einerseits ein vergleichsweise sicheres, breit gestreutes Investment in Aktien. Die im langjährigen Mittel irgendwo im hohen einstelligen Prozentbereich rentieren würden.

Sie möchten mehr als dieses Rendite haben. Der Betrieb eines Unternehmens ist schließlich auch immer mit erheblichem Risiko und unternehmerischen Engagement verbunden. Egal ob es sich um ein produzierendes Unternehmen oder um ein auf Dienstleistungen spezialisierten Betrieb handelt.

Am deutlichsten wurde dies vor knapp zehn Jahren, als der damalige Vorstand der Deutschen Bank eine 25%-ige Eigenkapitalrentabilität forderte. Im Handelsblatt und weiteren Qualitätsmedien wurde dann diskutiert: Reicht eine 16% Eigenkapitalrentabilität aus oder sollte diese sogar auf 25 % gesteigert werden? Bevor sich unsere Redaktion und Sie Gedanken über die „richtige“ Eigenkapitalrentabilität sehen Sie sich die Kennzahl am Besten ein bisschen genauer an.

Aussagekräftige Kennzahl mit eindeutiger Berechnungsformel

Eigenkapitalrentabilität

Den Jahresüberschuss findet man auf der Bilanz

Die Rentabilitätskennziffern (wie auch die Gesamtkapitalrentabilität oder der interne Zinsfuß) werden meist als Quotient gebildet. Im Zähler steht dann beispielsweise eine Erfolgs- oder Ertragszahl, im Nenner das jeweilige Kapital.

Bei der Eigenkapitalrentabilität steht im Zähler der Jahresüberschuss eines Unternehmens oder eines Profit-Centers. Diesen kann man als Erfolgskennzahl dem Jahresbericht/Geschäftsbericht einer Aktiengesellschaft entnehmen. Außerdem findet er sich auch in den Zahlenwerken wie Gewinn- und Verlustrechnung oder auch auf der Passiv-Seite der Bilanz.

Die Eigenkapitalrentabilität hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Viele Unternehmen haben von der früheren Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch auf international vergleichbare Zahlenwerke umgestellt. Im angelsächsischen Bereich lag das Augenmerk schon traditionell eher auf der Verzinsung des eingesetzten Kapitals, die Umsatzrendite stellte man weniger heraus.

In englischsprachigen Geschäftsberichten ist die Eigenkapitalrentabilität als Return on Equity (ROE) zu finden, während die Gesamtkapitalrentabilität als Return on Capital Employed (ROCE) bezeichnet werden würde.

Für die Berechnung der Eigenkapitalrentabilität wird der Jahresüberschuss vor Einstellung in freie oder vorgeschriebene Rücklagen verwendet, weil diese Kennzahl einen unverfälschten Blick auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zulässt.

Ein Prozentwert, der zum Nachdenken und Vergleichen einlädt

Die Eigenkapitalrentabilität kann man sowohl innerhalb des Unternehmens, als auch im Branchenvergleich betrachten.

+ Im langfristigen Vergleich innerhalb eines Unternehmens wird an der Eigenkapitalrentabilität sehr gut deutlich, ob das Unternehmen stark am Markt agiert oder zunehmend unter Druck gerät. Eine negative Eigenkapitalrentabilität bedeutet, dass die Fortführungsprognose für das Unternehmen nachhaltig in Frage gestellt werden würde. Das Eigenkapital wird im Lauf der Zeit aufgezehrt, womit eine Überschuldung drohen würde.

Gelegentlich sind detaillierte Analysen notwendig

+ Sinkt die Eigenkapitalrentabilität auf exakt Null, so sollte der Unternehmer eine detaillierte Analyse starten. Denn in diesem Falle verdient das Unternehmen zwar noch die tatsächlich ausgezahlten Gehälter an den Eigentümer – wenn er ein Geschäftsführer-Gehalt bezieht – oder ist sogar rechnerisch im Minus. Dies ist dann der Fall, wenn der Eigentümer sich kein Gehalt bezahlt, sondern Privatentnahmen aus dem Unternehmensvermögen vornimmt. Diese wären durch keine Ertragsposition gedeckt, sondern würden die Substanz des Unternehmens angreifen.

+ Liegt die Eigenkapitalrentabilität im niedrigen einstelligen Prozentbereich so ist dies ebenfalls ein Hinweis darauf, dass man eine Stärken-/Schwächen-Analyse starten sollte. Insbesondere in einer Hochzinsphase würde dies bedeuten: Kann die Rendite auf das Eigenkapital nicht verbessert werden, dann ist augenscheinlich ein Verkauf bzw. eine Fusion des Unternehmens besser. Mit einer Geldanlage ohne zusätzliche, persönliche Ressourcen bindende unternehmerische Tätigkeit würde der Unternehmer besser fahren.

Im Fall einer Nachfolgeregelung bzw. der Übergabe des Unternehmens sind der Jahresüberschuss des Unternehmens und die Eigenkapitalrentabilität bedeutend.

+ Eine im Branchenvergleich zu niedrige Eigenkapitalrentabilität kann auch durchaus zu einem Investitionshemmnis werden. So stand eine der größten deutschen Fluggesellschaften vor einigen Jahren in der Kritik, weil sie eine veraltete und zu „kerosinfressende“ Flotte hatte. Eine niedrige Eigenkapitalrentabilität schickte die Aktie in den Sinkflug und auf neue Kurstiefs. Es gab Zweifel an der Sanierungsfähigkeit bis der Jahresüberschuss stieg und das Gesamtkapital gestärkt werden konnte. Eine ähnliche Diskussion lässt sich bis dato bei vielen amerikanischen Fluggesellschaften verfolgen.

Fremdkapital als Turbo der Eigenkapitalrentabilität

Durch unternehmerisches Handeln und eine bewusste Inkaufnahme von Risiken kann man die Eigenkapitalrentabilität durchaus steigern. Denken Sie an Erweiterungsinvestitionen, die man nicht mit Eigenkapital finanziert.

Wann immer deren Erfolgsbeitrag nach Abzug der Fremdkapitalkosten und des Wertverzehrs (beispielsweise durch Abschreibung auf Anlagen und Maschinen) größer Null ist, steigt die rechnerische Verzinsung des Eigenkapitals.

Eine Berechnung kann dies verdeutlichen:

1. Ausgangssituation:

Vor der Anschaffung einer neuen Maschine waren im Unternehmen 100.000 Euro Eigenkapitel gebunden. Gehen wir im Beispiel mal von einem bisherigen Jahresüberschuss von 7.000 Euro aus. Die Eigenkapitalrendite erreicht damit 7 %!

2. Erweiterungsinvestition:

Investitionen sollen sich lohnen

Der Unternehmer entscheidet sich dafür ein Investment von weiteren 100.000 Euro zu tätigen und dieses mit Krediten (=Fremdkapital) zu finanzieren. Die Summe des Eigenkapitals bleibt 100.000 Euro dazu kommen 100.000 Euro Kredit. Lassen wir die Abschreibung außen vor, damit das Beispiel klar bleibt.

Wenn dieses Investment nunmehr einen Überschuss vor Zinsen von 12.000 Euro liefert und dieser sich durch Zinsen von 6 % (6.000 Euro) mindert, dann ist der Erfolgsbeitrag dieser Investition 6.000 Euro.

3. Auswirkungen auf das Eigenkapital:

Bei ansonsten unveränderten Ergebnissen innerhalb des Unternehmens steigt der Jahresüberschuss von 7.000 Euro um 6.000 Euro (aus Erweiterungsinvestition) auf 13.000 Euro. Die Eigenkapitalrentabilität verändert sich damit von 7 auf 13 % – was fast eine Verdopplung ist.

Eine mit Fremdkapital finanzierte Erweiterung oder Investition kann die Eigenkapitalrendite vervielfachen. Im Englischen würde dies als „leverage“ bezeichnet, das Eigenkapital wird sozusagen mit Fremdkapital gehebelt.

Im Falle eines Aufschwungs bzw. eines einen Erfolgsbeitrag liefernden Investment kann dies eine die Dynamik und den Ertrag steigernde Möglichkeit sein. Geht das Investment allerdings schief, so beeinträchtigt dies auch Unternehmenserfolg durch die Zinsen und Kosten. Dies schlägt dann auch auf die rechnerische Verzinsung des Eigenkapitals durch. Deshalb ist die Hebelung von Eigenkapital zwar mit Chancen, aber auch mit einem gesteigerten Risiko verbunden.

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