Was sind Devisen und welche Rolle spielen sie in der Wirtschaft?

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Was sind Devisen und welche Rolle spielen sie in der Wirtschaft?

Wenn Sie als Reisender ein Land mit einer anderen Währung besuchen, müssen Sie Ihr Geld in die lokal verwendete Währung umwechseln. Devisen sind eng mit einem solchen Vorgang verbunden, sie spielen in der Wirtschaft aber eine noch viel größere Rolle. Insbesondere für den internationalen Handel sind sie unverzichtbar.

 

Was sind Devisen und was bedeutet der Devisenkurs?

 

Devisen sind Wertpapiere oder Zahlungsforderungen in einer fremden Währung. Bargeld in einer solchen Währung zählt nicht dazu, denn es ist einfach ein gesetzliches Zahlungsmittel. Bargeld wird dann zu Devisen, wenn Sie es auf ein Konto in der betreffenden Währung einzahlen. Beispiele für Devisen sind also Kontoguthaben, eine Aktie oder ein Scheck in einer fremden Währung.

 

Der Devisenkurs ist der Preis einer Währung, angegeben in einer anderen. Dieser Preis ist auch als Wechselkurs bekannt. Ein hoher Preis für eine Währung bedeutet, dass es sich um eine starke Währung handelt, für die man schließlich eine hohe Zahl an Einheiten einer anderen Währung bezahlen muss. Je besser der gesamte wirtschaftliche Zustand eines Währungsraums, umso stärker wird die dort verwendete Währung sein.

 

Einflüsse auf den Devisenkurs

 

Einige wirtschaftliche Kenndaten eines Währungsraums gehören zu den Standardeinflüssen auf den Devisenkurs dieser Währung. Einer dieser Faktoren ist der Zinssatz, den man für Guthaben in dieser Währung bezahlt. Ein höherer Zins hat einen aufwertenden Effekt, denn ein Erwerb dieser Währung führt zu höherem Zinsertrag und macht diese Währung also für den Käufer wertvoller. Da die Notenbank diesen Zinssatz frei festlegen kann, ist diese Wahl des Zinssatzes eine Möglichkeit zur Aufwertung der Währung, wenn diese von anderen Faktoren wie wirtschaftlichen Problemen nach unten gedrückt wurde.

 

Ein weiterer typischer Einfluss auf den Devisenkurs ist die Verschuldung der Regierungen im betreffenden Währungsraum. Ist diese hoch, besteht die Versuchung einer Abwertung, um den Realwert der Schulden zu drücken. An diesem Faktor wird auch klar, dass der Devisenkurs wesentlich von der Einschätzung der Marktteilnehmer und nicht nur von bereits vollzogenen Schritten von Regierungen oder Notenbanken abhängt. Hohe Verschuldung drückt den Devisenkurs, aber das Ausmaß hängt von der Einschätzung der Auswirkungen durch die Marktteilnehmer ab.

 

Wozu handelt man mit Devisen?

 

Für den Ankauf von Gütern und Dienstleistungen in einem anderen Währungsraum ist genauso wie für eine Reise dorthin die am Ort gültige Währung für Zahlungen erforderlich. Daher ist ein Devisengeschäft die Grundlage für jedes Import-Export-Geschäft. Dadurch wird auch klar, dass der Devisenhandel für die Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.

 

Wie entstehen Devisenkurse?

 

Wenn eine Währung frei konvertibel ist, kann jeder Besitzer von Einheiten in dieser Währung diese ohne Beschränkung der Summe und ohne die Angabe von Gründen in eine andere Währung umtauschen. Solche Währungen gelten als hart. Sie sind stabil und weisen üblicherweise eine geringe Geldentwertung oder Inflation auf. Die Devisenkurse dieser Währungen bilden sich auf den Devisenmärkten frei durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

 

In weichen Währungen werden die Devisenkurse allerdings mit viel weniger Einfluss des Marktes festgesetzt. Zentralbanken geben heute Geld ohne die Deckung durch Werte wie Gold heraus. Daraus ergibt sich, dass eine Zentralbank die Geldmenge in ihrer eigenen Währung praktisch ohne Grenzen ausdehnen kann. Auf diese Art kann man eine Währung einfach abwerten. Erhält man als Käufer die Währung für einen bestimmten Preis bei der Notenbank, wird kein Händler einem anderen Anbieter einen höheren Preis bezahlen.

 

Der Schweizer Franken

 

DevisenObwohl der Schweizer Franken eine der härtesten Währungen der Welt ist, kann er als Beispiel für eine solche absichtliche Abwertung dienen. Dabei handelt es sich um die Koppelung des Schweizer Frankens an den Euro von 2012 bis 2015. Die Schweizerische Nationalbank wollte den Kurs der eigenen Währung niedriger halten als sie vom Markt bewertet wurde und bot die eigene Währung zu einem entsprechend niedrigen Devisenkurs an. Als die Notenbank im Jahr 2015 dieses Angebot einstellte, stieg der Devisenkurs des Frankens in kurzer Zeit um 35 %.

 

Eine Aufwertung der eigenen Währung ist auf diese einfache Art allerdings nicht möglich. Wird eine Währung durch den offiziellen Kurs der Notenbank überbewertet, bildet sich ein Schwarzmarkt, auf dem die Währung für einen schlechteren Kurs angeboten wird, weil die Schwarzhändler andere Währungen sonst überhaupt nicht erwerben können. Dagegen kann man höchstens mit Repressionsmaßnahmen wie der Verpflichtung zu einem Zwangsumtausch für Reisende reagieren, die höchstens eine teilwirksame Lösung darstellen.
Ein Beispiel dafür war die viel zu hoch bewertete Ostmark der bis 1990 bestehenden DDR.

 

Wie handelt man Devisen?

 

Dafür muss der Unterschied zwischen Geld- und Briefkurs beachtet werden. Devisen werden dem Käufer von einer Bank zum Briefkurs angeboten und zum Geldkurs abgenommen. Dabei ist der Briefkurs höher als der Geldkurs. Diese Spanne wird auch als Spread bezeichnet und bedeutet einen Profit für die abwickelnde Bank.

 

Für ein Devisengeschäft müssen die Beteiligten sich auch auf einen Termin für den Austausch einigen. Erfolgt dieser innerhalb von zwei Bankgeschäftstagen, spricht man von einem Kassageschäft. Genauso ist es aber möglich, einen Termin in der Zukunft zu wählen, den Preis für den Devisenhandel aber bei Geschäftsabschluss festzulegen. Eine typische Anwendung für solche Termingeschäfte mit Devisen ist eine Absicherung gegen Kursschwankungen.

 

Arbitrage

 

Eine andere Möglichkeit zum gewinnbringenden Handel mit Devisen ist Arbitrage. Darunter versteht man das Ausnutzen von Kursunterschieden zur selben Zeit, aber an verschiedenen Handelsplätzen. Allerdings sind für solche Geschäfte große Summen erforderlich, da die Kursdifferenzen sehr klein sind. Das Interessante an Arbitrage ist die Risikolosigkeit, da ein Unterschied zwischen genau bekannten Kursen ausgenützt wird.

 

Spekulation mit Devisen kann als eine der Königsklassen des profitorientierten Handels gelten. Anspruchsvoll ist dieser Handel deshalb, weil die Devisenkurse auf dem Markt von sehr vielen Faktoren abhängen und eine korrekte Einschätzung für einen Gewinn erforderlich ist.

 

Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte Schwarze Mittwoch im September des Jahres 1992. An diesem Tag wurde die Bank of England zu einer zehnprozentigen Abwertung des Pfunds genötigt. Der Spekulant George Soros hatte diesen Schritt korrekt vorhergesehen und entsprechend gegen das Pfund gewettet. Diese Wette war ein Termingeschäft mit Pfund, das aus einem Verkauf von britischen Pfund zum geltenden Preis mit einem für die Zukunft vereinbarten Austausch bestand. Zu diesem späteren Zeitpunkt war die Abwertung bereits vollzogen, sodass Soros die entsprechende Menge Pfund kaufen und mit einem Profit sofort wieder weiterverkaufen konnte.

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