Geldwäsche

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Geldwäsche

Bei der Geldwäsche werden auf illegalem Weg erworbene finanzielle Mittel in den normalen Wirtschaftskreislauf transferiert. Die Herkunft des Geldes soll verschleiert und in scheinbar rechtmäßigen Besitz umgewandelt werden. Nach einer Schätzung des IWF sind davon jährlich bis zu 1.750 Milliarden Euro betroffen. Mangelnde Strafverfolgung, fehlende Datenerhebung, unzureichende Kooperation zwischen den einzelnen Ländern und Schlupflöchern im System vereinfachen die Geldwäsche.

 

Herkunft des Geldes

 

Die finanziellen Mittel der gewaschenen Gelder stammen aus Vorgängen, die den Straftatbestand erfüllen. Die Quellen sind ganz unterschiedlicher Natur und reichen von Steuerhinterziehung und Drogenhandel über Raub und Waffenschmuggel bis hin zu Menschenhandel und Korruption. Die Täter schieben das kriminell erworbene Geld zwischen verschiedenen Stellen hin und her, sodass kaum mehr ein Rückschluss auf die Straftat möglich ist. Lässt sich nämlich nachweisen, dass das Geld aus illegalen Aktivitäten stammt, darf der Staat es beschlagnahmen.

 

Ablauf der Geldwäsche

 

GeldwäscheDrei Phasen kennzeichnen den Ablauf der Geldwäsche. Am Anfang erfolgt die Einzahlung verschieden großer Summen bei Kreditinstituten. Das Risiko einer Entdeckung ist in dieser Phase am höchsten. Auch die Beschönigung von Bilanzen ist ein probates Mittel, mit der die Straftäter Geldwäsche betreiben.

 

Nun geht es an die Verschleierung. Hierbei verschieben die Täter die Mittel mehrfach von einer Quelle zu einer anderen, um den Ursprung zu verschleiern. Nicht selten nutzen Kriminelle bislang unbescholtene Bürger und ihre Konten für die Verdunkelung, denen sie einen geringen Betrag auszahlen oder eine Gewinnbeteiligung zusprechen. Schlupflöcher im System verschiedener Länder wie Panama und Großbritannien helfen dabei, die Geldwäsche auf relativ unkomplizierte Weise zu betreiben.

 

In der dritten und letzten Phase kommt das Geld zum Straftäter zurück. Nun ist das Geld gewaschen und eine Rückverfolgung schwer möglich. Der scheinbar legale Besitz des Geldes gewährt die Investition in Luxusgüter wie Immobilien, Schmuck und teure Autos. Versicherungsgeschäfte und Börsenhandel sind ebenfalls beliebte Integrationen von gewaschenem Geld in den legalen Kreislauf.

 

Ursprünge der Geldwäsche

 

Die Geschichte der Geldwäsche geht wahrscheinlich auf den Mafiosi Al Capone zurück. Um legale Investitionen mit dem kriminell erworbenen Geld zu tätigen, brachte er es über Waschsalons wieder in den geregelten Wirtschaftskreislauf ein. Er kaufte in den USA mehrere Salons und tat so, als ob sein Vermögen aus den Gewinnen dieser stammte. Der Betrug flog allerdings auf. 1931 kam Capone wegen Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Geldwäsche hinter Gitter.

 

Die heutigen Methoden sind besonders raffiniert und Drahtzieher sind nur selten von Gefängnisstrafen betroffenKryptowährung wie Bitcoin ermöglichen Geldwäschern die Einspeisung größerer Summen an inkriminierten Finanzmitteln. Es gibt keine zentrale Bank, die die Blockchain-Technologie überwacht und damit keine Aufsicht über einzelne Transaktionen. Teilnehmer in diesem System zu identifizieren, ist nahezu unmöglich.

 

Strafen und Verfolgung der Geldwäsche

 

In Deutschland steht für Geldwäsche eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren an. Ist die Summe besonders hoch, sind sogar zehn Jahre im Gefängnis vorgesehen. Das Geldwäschegesetz von 1992 wurde von der jeweiligen Regierung der BRD immer wieder angepasst. Auf EU-Ebene überarbeiten die zuständigen Parlamente die Geldwäscherichtlinie regelmäßig.

 

Obwohl der Staat im Kampf gegen die Einspeisung von kriminell erworbenen Finanzmitteln immer weiter aufrüstet, haben die Täter kaum Verurteilungen zu fürchten. In der Regel gehen der Justiz nur kleine Fische ins Netz. Die meisten Transaktionen im großen Stil und die eigentlichen Drahtzieher bleiben von den Behörden unentdeckt. Zudem stehen auch immer wieder Banken in Verdacht, die Geldwäsche zu unterstützen.

 

Um eine Verurteilung der Täter zu erreichen, ist ein Nachweis über die kriminelle Vortat zu erbringen. Zudem muss eine Verbindung zum Geld ohne erkennbare legale Quelle hergestellt werden. Zahlreiche Verschiebungen und Aufteilungen der Finanzmittel machen es den Behörden äußerst schwer, diesen Nachweis zu erbringen.

 

Das Geldwäschegesetz in der Praxis

 

Nach dem deutschen Gesetz sind Wirtschaftsakteure wie Banken dazu verpflichtet, Unregelmäßigkeiten bei Finanzgeschäften ihrer Kunden zu melden. Zahlen Sie bei Ihrem Institut mehr als 10.000 Euro bar ein, kann dies eine solche Meldung nach sich ziehen.

 

Sind Sie im Besitz mehrerer Konten bei unterschiedlichen Banken, gilt dies ebenfalls als verdächtig. Auch die Lagerung hoher Bargeldbeträge ist eine mögliche Abnormität, die nach dem Gesetz nachzuverfolgen ist.

 

Banken unterstehen der Sorgfaltspflicht. Aus diesem Grund ist zum Beispiel eine Identifikation Ihrer Person bei einer Kontoeröffnung mittels Personalausweis oder Reisepass erforderlich. Als Privatperson ist eine Unterschrift in einem Dokument, das aktuelle Geldwäschebestimmungen enthält, ebenso vonnöten. Damit erklären Sie, dass Sie über die geltenden Gesetze informiert sind und sich an die Vereinbarung mit Ihrem Geldinstitut halten.

 

Die Meldung von Unregelmäßigkeiten ist noch kein Grund zur Sorge. Bei der zuständigen Financial Intelligence Unit, die extra zur Bekämpfung der Geldwäsche gegründet wurde, liegen über 50.000 unbearbeitete Meldungen. Es fehlt an Personal und an Zugängen zu Informationen. Komplizierte Verfahren erschweren die Ermittlung.

 

So viel Geld wird jedes Jahr gewaschen

 

Wie viel Geld jährlich gewaschen wird, kann nur geschätzt werden. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds belief sich der Umfang im Jahre 1999 auf zwei bis fünf Prozent des globalen Welt-Bruttoinlandsprodukts. Aktuell sollen es pro Jahr bis zu 1.750 Milliarden Euro sein.

 

Geldwäsche reduziert das Wirtschaftswachstum und verschleiert kriminelles Verhalten. Es gibt zwar internationale Abkommen zur Bekämpfung, allerdings fürchten als Steueroasen geltende Staaten bei einer Umsetzung weniger Einnahmen. Zudem entsendet die Industrie der Geldverschleierung zahlreiche Lobbyisten, die einer Verschärfung der Gesetze und Verfolgung durch die Behörden entgegenwirken.

 

Prominente Fälle der Geldwäsche

 

Schon vor den Vorgängen um Wirecard und zur organisierten Kriminalität von Clans stand das Problem der Geldwäsche im Fokus. Ein prominenter Fall handelt von einem der Entführer des Hamburger Tabakerben Jan Philipp Reemtsma. Ob wohl er gefasst und verurteilt wurde, kann er sich heute nach der abgesessenen Freiheitsstrafe vom gut versteckten Lösegeld ein schönes Leben machen.

 

Nicht weniger gut bei weggekommen ist der Betrüger Manfred Schmieder. Der ehemalige deutsche Unternehmer betrog Geldinstitute rund um den Globus um knapp fünf Milliarden D-Mark. Die Beute verteilte er geschickt auf der ganzen Welt, sodass Ermittler bis heute nicht den vollen Umfang entdeckt haben.

 

Von 2010 bis 2014 schleusten Kriminelle umgerechnet zwischen 22 und 80 Milliarden US-Dollar Schwarzgeld aus Russland nach Estland, Lettland und in die Republik Moldau. In Ländern wie Großbritannien wusch man die inkriminierten Gelder und verschleierte damit die Herkunft. Die Geldwäsche ist als russische Waschmaschine bekannt und soll um 500 Mittäter umfassen.

 

Ein jüngst aufgedeckter Fall sind die sogenannten Panama Papers. Aus den Unterlagen geht hervor, wie durch die Gründung von Briefkastengesellschaften und die Nutzung von Steueroasen in der Karibik und Co. Geldwäsche nahezu straffrei erfolgt. Neben Milliardären sind auch Konzerne wie Apple, Walmart, Facebook und Nike in den Papers aufgeführt.

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